2010er • Referendar auf dem Weg nach oben

ICH WAR EINMAL

ein blau-weiß gestreiftes Businesshemd der Firma Ahlemeyer, ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Bad Vilbel, das großen Wert auf Qualität (100% gekämmte Baumwolle nach Öko Tex Standard 100) und soziale Standards (keine Kinderarbeit) legt. Der günstige Preis von Euro 29,90 muss etwas mit dem Umstand zu tun haben, dass ich nach meiner Zeugung für längere Zeit in einem großen, dunklen Schiffscontainer lag, eingehüllt in Plastik, und fast keine Luft bekam. Gekauft hat mich eine hübsche blonde Anwaltsgattin für ihren Mann, der Private-Equity-Firmen legale Anstriche verpasst. Klar, dass er dafür jeden Tag ein neues Hemd braucht (schwitz, schwitz).
Tja, und so bin ich dann ziemlich schnell auf einer Charity-Veranstaltung gelandet (die Gattin betätigt sich selbstverständlich ehrenamtlich), wo mich ein Referendar gekauft hat. Mit ihm habe ich viele Gesetzbücher nach Schlupflöchern durchforstet, was ihn aber auch nicht weiterbrachte. Er ist immer noch Referendar, und ich stand am Ende mit durchgescheuerten Ellebogen da. Seine Freundin hat im Radio vom Veränderungsatelier in den Hackeschen Höfen gehört und mich dort abgegeben, um mir ein zweites Leben zu schenken. Judith hat mich dann mit viel Esprit…

WACHGEKÜSST